Warum ich jetzt beginne

Warum ich jetzt anfange zu schreiben

 

 

 

Vielleicht hat es dich neugierig gemacht, als ich schrieb, ich möchte das alte lästige Familienthema erlösen. Was ist passiert, dass ich mich so gehemmt fühle, in Dingen die Andere als ganz normal sehen und in ihr Leben als selbstverständlich integriert haben? Öffentlich zu reden oder zu schreiben.

 

 

 

Ich weiß nicht mehr genau ob ich 8 oder 9 Jahre alt war, als ich bei einem Gespräch meiner Erzieherin im Schulhort Zeuge wurde. Sie unterhielt sich mit einer anderen Erzieherin und sagte ihr: "dass ich das Kind sei, wo der erster Mann, der Mutter, im Gefängnis gesessen hat. Waaaas?? Redet sie von mir??? Das kann doch alles nicht sein!!

 

Als ich nach Hause kam und von dem Vorfall berichtet habe, traute ich meinen Ohren nicht.

Ja, es stimmte, meine Mutter war schon einmal verheiratet.

Meine 2 Geschwister, 11 und 7 Jahre älter als ich, sind meine Halbgeschwister, also wir haben nicht den gleichen Vater. Heute nennt man das Patchwork Familie und es ist fast das Normalste auf der Welt. Aber Mitte der 70-er Jahre war das alles andere als normal. Meine Mutter erzählte mir ihre Geschichte, was sie erlebt und erfahren hat.

Tief möchte ich in diese Thematik nicht eingehen, nur so viel: ihr damaliger Mann beugte sich nicht dem sozialistischen System, wurde fahnenflüchtig, wurde verhaftet und inhaftiert. Im weiteren Verlauf wurde er des Landes verwiesen und meine Mutter stand mit 2 kleinen Kindern alleine da.  Die Folgen für meine Mutter, sie wurde verhört, gedemütigt und man spionierte sie aus.

Daraus resultierte: vertraue niemanden und halte immer deinen Mund. So wuchs ich auf, im sozialistischen System, ohne eigene Meinung haben zu dürfen, bzw. sie nur zu Hause äußern zu dürfen, immer nur sagen was andere hören wollen, obwohl das Herz eine andere Sprache spricht. Nicht fühlen und auch nicht Sein, nur Marionette sein. Immer aus der Sicht und Angst meiner Mutter heraus, ein falsches Wort und der Nächste wird weggesperrt.

So vergingen die Jahre, die Wende kam und mein Verhalten blieb. Wie hätte es auch anders möglich sein können? Ich habe ja nichts anderes gelernt. Ich ging meinen Weg und blieb meinem disziplinierten Wesen treu: Zurückhaltung ist alles und eine eigene Meinung dürfen nur die Anderen haben.

 

 

Vor 12 Jahren begann meine spirituelle Ausrichtung und vor 5 Jahren machte ich mich mit einer eigenen Praxis selbständig. Ich habe viel mit mir und meinem Thema gearbeitet und bin in kleinen Schritten weitergegangen, Richtung eigene Meinung haben und dafür einzustehen. Heute, nach 30 Jahren Wiedervereinigung, nach 30 Jahren Meinungsfreiheit und Demokratie, stehen wir mit der Corona Krise wieder an einer ähnlichen Stelle, im Ausmaß wahrscheinlich noch schlimmer als die sozialistischen Zeiten.  Wir werden mundtot gemacht, wir werden in unseren Grundrechten beschnitten und wir lassen es mit uns machen. Aber immer mehr Menschen begreifen und verstehen und sie stehen auf, stehen für ihre Meinung ein, sie kämpfen und gehen voran.

 

Ich hätte nichts begriffen, wenn ich jetzt nicht auch aufstehen würde.

 

Und so möchte ich dich ermutigen, steh auf, stehe für dich und deine Wünsche ein. Verfolge deine Ziele, träume und verwirkliche sie. Jetzt!! Ja, genau jetzt, jetzt ist die richtige Zeit.

 

Steh auf und geh!!

 

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